Annikas Geschichte - eine Reise zu mir selbst | Teil II
- Annika Köster

- 13. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
J
Was schwarze Löcher…
Dunkelheit umgibt mich. Mein Körper folgt den Gesetzen der Schwerkraft, ich rutsche, falle, stürze. Das Tempo ist atemberaubend. Unsanft stoße ich mit dem Kopf an und drehe mich haltlos. Der Schweiß steht mir auf der Stirn. Mein Körper wähnt sich in Lebensgefahr und ich will schreien…
Doch dann habe ich eine bessere Idee. Ich atme ein und beginne zu zählen, 1-2-3-4. Dann langsam durch die geschürzten Lippen wieder aus, 1-2-3-4-5-6-7-8. Ich atme im 4-8 Rhythmus, nochmal und nochmal.
Mein Körper beginnt sich zu entspannen. Und plötzlich macht es richtig Spaß, ich lege mich in die Kurve und genieße das Tempo und den Sog. Noch eine letzte Kurve und ein letzter Atemzug, dann stürze ich ins warme Wasser. Mein Körper zieht mich runter und prustend aber strahlend tauche ich wieder auf. Geschafft!
Was sich hier anhört wie ein Horrorfilm ist die „Black Hole“ Röhrenrutsche in einem so genannten Spaßbad. Man beachte die malerische Namensgebung. Ich finde, der Name sagt schon alles. Es ist, als würde man in ein tiefes, schwarzes Loch fallen, aus dem man nie wieder herauskommt. Und was ich hier heute mache, ist, zu testen, wie sich meine Atemübungen in meinen Alltag integrieren lassen. Also offiziell verbringe ich einen schönen Nachmittag mit meinem Jüngsten im Spaßbad, aber inoffiziell lautet meine Mission, ein Wochenende lang zu testen, wie sich Atemübungen in mein normales Leben integrieren lassen und wo mir überall Atemarbeit begegnet.

Außenbecken. Warmes, weiches Wasser umhüllt uns und schützt uns vor den kalten Temperaturen, die außerhalb des Beckens herrschen. Mein Sohn taucht unter. Ich atme aus und mache es ihm nach. In der Atemleere lasse ich mich auf den Boden des Beckens gleiten und zähle langsam bis 5. Es ist schön hier unten, geborgen und warm. Alles verschwimmt und die Konturen werden weich. Ich tauche wieder auf, atme zweimal und tauche dann erneut in der Atemleere unter. Dieses Mal zähle ich bis 6. Ich wiederhole die Übung noch mehrmals und zähle immer eine Sekunde länger in der Atemleere unter Wasser, bis ich irgendwann bei 12 bin. Dann wieder rückwärts. Atemleiter nennt sich diese Übung. Ich stelle fest, wie leicht sie mir im Wasser fällt und wie angenehm entspannt ich dabei bin. Ich genieße die Schwere und die Wärme und das Gefühl in Sicherheit zu sein. Fast wie in der Gebärmutter, so geborgen und geschützt.
…und Iron Man…
Samstagabend. Filmabend. Wir bestellen Essen bei einem asiatischen Restaurant und gucken alle zusammen Iron Man 3. Für alle, die den Film nicht kennen: Iron Man ist ein ziemlich egozentrischer, arroganter, unglaublich reicher, gut aussehender Mann, der einst Waffenproduzent war, dann jedoch durch einen Zwischenfall in Afghanistan eine 180 Grad Kehrtwende gemacht hat und es sich nun als fliegender und Bomben werfender Mensch in einem Eisenkostüm zur Aufgabe gemacht hat, die Welt zu retten und von allem Bösen zu befreien. Ein wahrer Superheld also.
Wir machen es uns vor dem Fernseher gemütlich und sehen zu, wie unser Superheld die Welt rettet. Doch dann, als Iron Man gerade in einer der gefährlichsten Situationen überhaupt steckt und das Schicksal der Welt auf Messers Schneide steht, bekommt er plötzlich einen Panikanfall. Er kann nicht mehr richtig atmen und reißt sich die eiserne Rüstung vom Leib. Die Bösewichte sind ihm dicht auf den Fersen und alles droht ihm zu entgleiten.

Und ich? Atme unwillkürlich im gleichmäßigen 5-5 Rhythmus für Iron Man mit und denke bei mir: „Hätte der Trottel doch mal heute früh seine Atemübungen gemacht… „. So wie Hulk, alias Dr. Banner, der immerhin schon rausgefunden hat, dass er mithilfe von Yoga, Meditationen und Atemübungen seine Zornesausbrüche halbwegs kontrollieren kann. Aber Iron Man? Hat offenbar noch nie etwas von Atemübungen gehört… Meine Ferndiagnose lautet: vermutlich eine unbehandelte post-traumatische Belastungsstörung von dem letzten Avengers Abenteuer. Bedeutet bei der Atemarbeit besondere Vorsicht und Anpassungen, zitiere ich im Kopf, also ausschließlich sanftes, ruhiges, rhythmisches Atmen ohne Atemanhaltephasen. Vielleicht eine sanfte Kohärenzatmung? Auf 5 Zeiten ein, auf 5 Zeiten aus. Man könnte das eventuell noch mit Summen kombinieren, dann würde es noch besser auf das parasympathische Nervensystem wirken und ihn schneller wieder in einen ruhigen und ausgeglichenen Zustand versetzen, sinniere ich im Kopf weiter. Fast hätte ich vor lauter Atemüberlegungen den Ausgang der Szene verpasst. Im letzten Moment kommt Iron Man wieder zu sich. Beinahe wäre ihm die Puste ausgegangen und wegen seiner nicht vorhandenen Atemkenntnisse die Welt untergegangen. Er sollte sich wirklich dringend Hilfe suchen!
… mit Atemarbeit zu tun haben.
Sonntagmorgen. Ich wache auf und mein Kopf dröhnt. Meine Nase ist verstopft und ich bekomme schlecht Luft. Mein ganzer Körper fühlt sich an wie Blei und ich lasse mich stöhnend zurück in die Kissen sinken. Eindeutig, eine Erkältung im Anmarsch. Also es langsam angehen lassen. Als ich aufstehe, verstärkt sich der Druck in meinem Kopf und meine Nebenhöhlen fühlen sich geschwollen und undurchlässig an. Ich öffne das Fenster und atme ein paar Mal tief durch und dann schießt mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich doch einen Wunderkasten voller Atemübungen besitze…
Ein paar Minuten später sitze ich auf meiner Yoga Matte und summe vor mich hin. Vermutlich brumme ich eher, aber es hört mich sowieso keiner. Ich spüre, wie sich die Vibrationen wie Wellen in meinem Körper ausbreiten und stelle mir vor, wie in meinen Nebenhöhlen lauter Stickstoffmonoxid produziert wird und die aufkeimende Erkältung in meinem Körper bekämpft. Bei der anschließenden SOMA Breath Meditation gehe ich heute ganz sanft und behutsam vor. Ich atme rhythmisch und sanft und spüre wie dabei meine Stimmung mit jedem Atemzug heller wird. Und ich kann förmlich spüren, wie sich meine Nebenhöhlen öffnen und alles zu fließen beginnt. Ich bin froh, dass mir keiner zusieht, denn ich verbrauche eine ganze Packung Taschentücher. Heute sehe ich keine Farben und erlebe keine Visionen, aber ich fühle mich nach der Meditation wunderbar ruhig, klar und geerdet und mein Atem fließt viel freier und ruhiger als zuvor. Der Druck im Kopf ist verschwunden und die Erkältung bleibt tatsächlich aus.
Und wieder einmal bin ich überrascht, was Atem alles kann, wenn wir ihn nur richtig anzuwenden wissen. In den nächsten Tagen bewähren sich meine Atemübungen noch im Umgang mit kleinen 8-jährigen Wutmonstern, die keine Hausaufgaben machen wollen, bockigen Teenagern, die nicht ins Bett gehen wollen und Pubertierenden, die sowieso gar nichts wollen…
Vor allem aber im Umgang mit mir selbst und meiner eigenen Verfassung. Und so ist meine Erkenntnis aus den vergangenen Tagen simpel:
Entscheidend ist nicht, was sich an einem Tag ereignet, sondern mit welcher Haltung wir diesem Tag begegnen und wie wir mit Herausforderungen umgehen. Genau da setzt Atemarbeit an.
Und was gegen schwarze Löcher und Panikattacken beim Weltretten hilft, ist auch nützlich vor einem wichtigen Kundentermin, einem Gespräch mit dem Chef oder auch einfach nur, um im Alltag mehr innere Ruhe, Energie oder emotionale Stabilität zu erleben.
Übrigens, was Iron Man angeht: ich habe eine Mail an Marvel Studios geschrieben und meine Hilfe angeboten. Sollte Iron Man beim nächsten Abenteuer also wieder voll einsatzbereit sein, so könnte das vielleicht auch daran liegen, dass er nun Atemübungen macht…
👆🏻Über 20.000 Atemzüge (12-18 Atemzüge pro Minute) macht der Mensch durchschnittlich pro Tag. Wie wäre es, davon wenigstens 10%, also 2.000 Atemzüge, kontrolliert und bewusst durchzuführen? Ein Wochenende im Selbstversuch, ob und wie sich Atemübungen ins alltägliche Leben integrieren lassen und wo mir überall Atemarbeit begegnet.
Mit dem Atem Dein Nervensystem regulieren und stärken
Unser Nervensystem ist wie die Steuerzentrale unseres gesamten Erlebens. Es entscheidet, ob wir uns sicher, verbunden und ruhig fühlen oder ob unser Körper in Alarmbereitschaft gerät. Wenn dieses System durch chronischen Stress oder mentale Überforderung ständig aktiviert ist, kann es nicht mehr unterscheiden zwischen echter Gefahr und Alltagsstress. Genau hier setzt Atemarbeit an. Über den Körper und den Atem beeinflussen wir direkt den Zustand unseres autonomen Nervensystems.
Alle oben vorgestellten Atemübungen sind integraler Bestandteil unseres BreathFit™-Grundlagenkurses. Der BreathFit™-Grundlagenkurs ist ein wissenschaftsbasiertes Online-Training, das Dir funktionelle, gesunde Alltagsatmung zeigt, Dir anschaulich erklärt, wie Atem und Nervensystem zusammenhängen und Dir Atemtechniken aus international führenden Methoden sicher und individuell anpassbar vermittelt, damit Du Dir aus allen Methoden Deinen persönlichen Atem-Mix für eine gesunde Alltagsroutine zusammenstellen kannst.
In Deinem Tempo lernst Du Deinen Atem gezielt, sicher und nachhaltig zu nutzen – für mehr innere Ruhe, Energie, Fokus und emotionale Stabilität.
Wenn Du unsicher bist oder Fragen zu unseren Angeboten hast, buche jederzeit gerne ein kostenfreies Beratungsgespräch. Wir nehmen uns Zeit, gemeinsam herauszufinden, was für Dich gerade passt.

Autorin: Annika Köster
Diplom-Kulturwirtin (Univ.) Marketing- und Kommunikationsexpertin Auf dem Weg zur BreathQ® Instructorin
Wohin wird Dein Atem Dich führen?
Unter diesem Motto nimmt Annika Dich in den kommenden Monaten mit auf ihre persönliche Reise durch die BreathQ® Ausbildung zur Atemtrainerin.
Ihr Anliegen: Atemarbeit für Menschen erlebbar machen – und dort, wo Worte oft nicht ausreichen, mit Bildern und Geschichten die Tiefe und Kraft des Atems spürbar werden lassen.
Wir freuen uns über Deine Kommentare, Fragen und Dein Feedback.




Ich freue mich, dass meine persönlichen Superheldinnen von BreathQ für Superheldinnen-Nachwuchs sorgen ;-) So schön, dass du hier ein paar Einblicke teilst. Wieder sehr fluffig und anschaulich geschrieben 💕
Ein wunderbarer Artikel, spannend und humorvoll verfasst, frisch geschrieben, mitten aus dem Leben gegriffen. Und so sinnvoll. Es animiert mich sehr, selbst öfter über meinen Atem im Alltag nachzudenken. Vielen Dank dafür, Annika.