Annikas Geschichte - eine Reise zu mir selbst | Teil I
- Annika Köster

- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 19 Stunden

Eisbaden - Ich kann das!
Als meine Füße das kalte Wasser berühren, blende ich alles um mich herum aus. Langsam tauche ich mit dem ganzen Körper ein und zähle dabei, auf 4 durch die Nase einatmen, auf 8 durch die geschürzten Lippen ausatmen. Ich konzentriere mich ganz auf meinen Atem, verlängere bewusst die Ausatmung und merke wie sich mein Körper dabei entspannt. Diese Atmung kennt mein Körper bereits von der kalten Dusche und weiß, er ist in Sicherheit. Vorsichtig spüre ich in mich hinein: alles gut, keine Schmerzen, keine Anspannung. Ich schließe die Augen und erlaube mir, ganz bei mir zu sein und mich fallen zu lassen. Von weiter Ferne dringen die Klänge der Trommel und die Stimmen der anderen zu mir. Die 4-8 Atmung fließt jetzt automatisch, ich muss nicht mehr zählen, ich lasse mich atmen. Ich lächle innerlich. Das ist gar nicht so schwer wie ich dachte.
Ein Zwischenruf, eine Minute ist geschafft. Ich taumele und spüre wie ich den Rhythmus verliere. Ich öffne die Augen. Die Stimme meines Buddys dringt an mein Ohr: „Bleib ganz bei Dir, in Deinem Atemrhythmus“. Ich schließe die Augen und da ist er wieder, mein eigener Atemrhythmus.
Die Gemeinschaft verleiht ungeahnte Kräfte
Draußen sind es heute -7 Grad, es liegt Schnee um uns herum und die Luft, die durch meine Nase hereinströmt, ist eisig. Doch wir spüren davon nur wenig. Die Trommeln wirbeln und die anderen Eisbadenden, die vor mir dran waren, bewegen sich bereits im Rhythmus der Musik, kraftvolle Bewegungen, die die Wärme zurück in den Körper bringen. Ich bin nicht allein. Die Gemeinschaft trägt mich. Unwillkürlich muss ich lachen. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich. So müssen sich indigene Völker bei ihren Stammesritualen fühlen, getragen, geborgen, beschützt von der Gemeinschaft. Das verleiht ungeahnte Kräfte.
Und dann plötzlich zählen viele Stimmen, 5-4-3-2-1. Es ist geschafft. Applaus! Jubel macht sich breit. Zwei Minuten in der Eistonne sind geschafft!
Mein Buddy reicht mir meinen Bademantel und während ich mich abtrockne und mich anschließend gemeinsam mit den Anderen mit kräftigen Bewegungen zum Klang der Trommeln aufwärme, kriecht Stolz in mir hinauf. Ich habe es geschafft. Ich habe tatsächlich zwei Minuten in der Eistonne geschafft. Wow! Ich danke meinem Körper für diese grandiose Leistung und mache mir innerlich eine kleine Notiz, die aus drei einfachen Wörtern besteht: „Ich kann das.“
Ein Gefühl wie prickelnder Champagner
Beim anschließenden Waffelessen und als ich später am Nachmittag mit zwei anderen Frauen in die Sauna gehe, herrscht eine ausgelassene Stimmung. Wir feiern uns und das Leben. Die Gespräche werden intensiver und erreichen schnell ein sehr persönliches Niveau. Der Moment des Fallenlassens, die Intensität des Erlebten, das Gefühl des Getragen-Seins von der Gemeinschaft öffnen die Münder und die Herzen. Als ich nach der Dusche auf dem Bett liege, spüre ich wie mein ganzer Körper pulsiert. Ich fühle mich, als würde jede Zelle meines Körpers von Sauerstoff geflutet werden, ich spüre förmlich das Blut in meinen Adern rauschen und alles kribbelt. Mein Geist ist klar und hellwach und eine Idee jagt die andere. Ich fühle mich inspiriert von den anregenden Gesprächen und in mir prickelt es wie Champagner. Ein Gefühl wie beim Verliebtsein. Und vielleicht bin ich an diesem Tag tatsächlich ein bisschen verliebt, verliebt in mich und meinen Atem, der mich trägt.
Ich bin das Licht

Am nächsten Tag darf ich dann tatsächlich noch ein Stammesritual besuchen. Nicht im Außen, sondern im Innen. Mein Breathrave und die anschließende Atemsession führen mich in meinem Inneren auf eine unglaubliche Reise nach Afrika. Die Richtung ist vollkommen klar und während die Musik durch die Kopfhörer dröhnt und meinen Körper in Vibration versetzt, laufe ich mit geschlossenen Augen los. Ich höre Trommeln in der Ferne und vor meinem geistigen Auge erscheint das Bild einer Lichtung mit Menschen, die im Feuerschein tanzen. Ich beginne zu rennen, plötzlich erscheint mir alles glasklar und ich zögere keine Sekunde mehr. Schweiß läuft mir den Rücken hinunter, aber ich spüre ihn kaum. Mehr als einmal komme ich von meiner Matte ab und werde sanft wieder darauf geschoben. Ich will rennen, rennen, rennen.
Und dann endlich bin ich auf meiner inneren Reise an meinem Ziel angekommen. Die Trommeln sind laut und rhythmisch und der Feuerschein spiegelt sich in den Augen der Tanzenden wider. Ich beginne im Schein des Feuers zu tanzen und dann in der anschließenden Atemsession, in der wir über sechs Runden atmen, werde ich in meiner Phantasie Teil eines alten schamanischen Rituals. Das Licht schwindet um mich herum und die Flammen beginnen in mir zu lodern. Alles Außen ist in dem Moment vergessen, ich höre die Menschen um mich herum nicht mehr. Ich fliege innerlich und liege unter einem fremden Sternenhimmel jenseits von Raum und Zeit. Als die Dunkelheit um mich herum vollkommen ist, sehe ich plötzlich, wie das Licht in mir aufflackert. Aus meinem Inneren erwächst eine Lichtsäule, ich bade im Licht, mehr noch, ich bin das Licht.
Anschließend folgt ein Gefühl tiefen inneren Friedens. Zurück bleibt nach der Atemsession ein Lächeln auf meinem Gesicht, ein inneres Strahlen, das ich nach Außen bringe.
Eine Reise zu uns selbst
Und während ich glücklich, verschwitzt und hungrig nach meiner inneren Reise wieder in diesem Raum ankomme, wird mir bewusst, welche Macht unser Atem hat und wie tief wir damit in unser Inneres vordringen können. Und zugleich auch welche Verantwortung das für mich als angehende Trainerin bedeutet. Was hier klingt wie eine wilde, abenteuerliche Reise, ist eine Atemsession, eine intensive Atemsession mit vorheriger Vorbereitung und anschließender Integration, geführt von erfahrenen Trainerinnen. Und plötzlich macht die Theorie, die ich heute Morgen gelesen habe, einen Sinn: „Atemarbeit ist mehr als das Anwenden, Beherrschen und Lehren bestimmter Methoden oder Techniken. Atemarbeit setzt uns in eine tiefe Beziehung zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zum Leben.“
Beim Abschlussritual fließen die Tränen, nicht aus Trauer oder Schmerz, sondern weil Atemarbeit immer auch etwas in uns berührt, unser tiefstes Sein bewegt und immer auch eine Reise zu uns selbst ist.
Am nächsten Tag beim Abschlussritual wird es noch einmal ganz deutlich: obwohl jede und jeder in seinem Inneren etwas anderes erlebt hat, hat niemanden diese Reise unbewegt gelassen. Nicht immer ist Atemarbeit so spektakulär wie oben beschrieben, manchmal kommt sie auf ganz sanften Sohlen daher. Bei manchen ist es ein Gefühl der Ruhe, das sie erfahren, ein inneres Ankommen, eine Pause im hektischen Alltag, bei anderen die tiefgreifende Erkenntnis, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Hier eine kleine Momentaufnahme Youtube Clip

Das nächste Retreat findet im Juni statt
Ein 4-tägiges BreathQ® Retreat auf dem Stimbekhof in der Lüneburger Heide bildete den Rahmen für diese Erfahrung. Viele der Teilnehmenden waren bereits zum wiederholten Mal dabei oder hatten bereits an anderen BreathQ® Programmen teilgenommen, daher war dieses Retreat intensiver als die regulären Formate. Auf dem Programm standen neben intensiven Breathwork Sessions auch Eisbaden und ein Breathrave. Jedes Retreat ist anders und das Programm richtet sich nach der Gruppe, Location und Jahreszeit.

Retreats bei BreathQ®
In einigen unserer Retreats integrieren wir das Konzept von Mentaltrainings plus Kälteexposition nach der Wim Hof Methode. Bei BreathQ® ist Eisbaden kein isoliertes Erlebnis, sondern immer Teil eines größeren regulatorischen Rahmens. Hier geht es nicht darum, möglichst lange im Eiswasser zu bleiben, sondern darum, den eigenen Körper im Kontakt mit Kälte, Atmung und Nervensystem lesen zu lernen. Vorbereitung, bewusste Atemführung, Integration und Nachspüren sind dabei feste Bestandteile unserer Arbeit. Wer mehr zum Thema Eisbaden erfahren will, findet wertvolle Informationen dazu in unserem aktuellen Blog Eisbaden, Nervensystem und die Kunst, den eigenen Körper zu hören.
Alle Informationen zu unseren Retreats, Events und aktuellen Terminen findest Du auf unserer Eventübersicht. Wenn Du unsicher bist, welches Retreat für Dich das richtige ist, oder wenn Du Fragen zu unseren Angeboten hast, buche jederzeit gerne ein kostenfreies Beratungsgespräch mit uns. Wir nehmen uns Zeit, gemeinsam herauszufinden, was für Dich gerade passt.

Autorin: Annika Köster
Auf dem Weg zum BreathQ® Instructor Wohin wird Dein Atem Dich führen?
Unter diesem Motto wird Annika in den nächsten Monaten in diesem Blog über ihre persönlichen Erfahrungen auf ihrem Weg zur Atemtrainerin schreiben. Über Deine Kommentare, Feedback oder auch Fragen freuen wir uns.




Liebe Annika, wie schön beschrieben! Ganz anders und doch auch genau so, war das Retreat auch für mich 🙃
Ich bin gespannt auf Teil 2 und deine Erfahrungen mit weiteren Aspekten der Ausbildung. Alles Gute 🍀
Liebe Annika das hast du so schön geschrieben, ich hatte Gänsehaut beim Lesen und von der Erinnerung an unsere schöne Zeit auf dem Stimbekhof 🤎